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Nach dem Einmarsch der französischen Besatzungstruppen in Reutlingen
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Am 22. April 1945 mittags gegen 12 Uhr wurden alle Kampfhandlungen in und um Reutlingen eingestellt. Zwei Tage später wurden vier Reutlinger Bürger ohne Angabe von Gründen verhaftet. Es waren dies der Chefarzt der Reutlinger Lazarette, Dr. Wilhelm Egloff, Vater von drei Kindern, der verwundete Architekt Wilhelm Schmid, der Redakteur Ludwig Ostertag, Vater von sieben Kindern, und der Schreinermeister Jakob Schmid, Vater von sieben Kindern. Es wurde ihnen lediglich erklärt, sie seien als Geiseln verhaftet, weil in der Stadt ein französischer Offizier niedergeschlagen wurde.
Man brachte sie in ein Privathaus in der Urbanstraße, in dem französische Offiziere im Quartier lagen. Es fand keinerlei Untersuchung und keinerlei Kriegsgerichtsverhandlung statt.
Der katholische Stadtpfarrer von Reutlingen, Keicher berichtete späten daß er am 24. April gegen 14 Uhr von einem französischen Militärgeistlichen aufgesucht wurde. In einem Protokoll gab Stadtpfarrer Keicher an:
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Ort der Erschießung: Am schönen Weg
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Gedenkstein auf dem Friedhof unter den Linden
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"Dieser Militärgeistliche forderte mich auf, mit ihm zu gehen, um vier Deutschen, die als Geiseln erschossen würden, geistlichen Beistand zu leisten. Da ich annahm, daß vielleicht einer der Geiseln der protestantischen Kirche angehören würde, habe ich auch den protestantischen Pfarrer benachrichtigt. Ich konnte diesen persönlich nicht erreichen.; so kam es, daß ich diesen zum Tode Verurteilten, oder besser gesagt, für den Tod bestimmten Männern allein den geistlichen Beistand gab und als einziger Deutscher mit den Männern bis zu ihrem Tode zusammen war. Ich wurde durch den französischen Geistlichen in ein dem Professor Mautz gehörendes Privathaus gebracht. In diesem Haus befanden sich französische Offiziere und die vier Reutlinger Bürgen die als Geiseln erschossen werden sollten. Die vier Geiseln zeigten sich meinem geistlichen Zuspruch gegenüber sehr aufgeschlossen. Ich veranlasste, daß die Geiseln Gelegenheit bekamen, ihren Angehörigen ein paar letzte Zeilen zu schreiben. Diese Zeilen habe ich den Angehörigen selbst überbracht. Die Angehörigen waren vollkommen ahnungslos über das Schicksal, das ihre Ernährer betroffen hatte. Die Geiseln wurden erst in den frühen Mittagsstunden des 24. April 1945 aus dem Kreis ihrer Familien heraus verhaftet und bereits zwischen 15 und 16 Uhr des gleichen Tages, also wenige Stunden späten erschossen. Ich muss bestätigen, daß alle vier Geiseln aufrecht und tapfer in den Tod gingen. Der unter den Geiseln befindliche Oberfeldarzt der Reserve, Dr. Egloff, dem die Reutlinger Lazarette unterstanden, trug die Uniform eines Sanitätsoffiziers der Deutschen Wehrmacht. In dieser Uriform wurde er auch erschossen."
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An einem so schönen Ort, geschah so etwas Unmenschliches.
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Weder den Erschossenen noch den Angehörigen noch der Bevölkerung wurde jemals mitgeteilt, wo und wann und welcher französische Offizier niedergeschlagen worden war. Als die Angehörigen später von der Verteidigung als Zeugen zum Nürnberger Prozess vorgeladen wurden, bestellte man sie zur französischen Sicherheitsbehörde, wo Capitaine Brunel die Angehörigen zwang, ein in französischer Sprache abgefasstes Schriftstück zu unterzeichnen.
Jahre danach beschloss der Gemeinderat von Reutlingen einstimmig, den Hinterbliebenen dieser Ermordeten eine Ehrengabe von je 10 000 DM zu überreichen.
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